{"id":478,"date":"1998-02-27T17:22:47","date_gmt":"1998-02-27T17:22:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freidenker.org\/wuf\/cms\/?p=478"},"modified":"2017-10-15T11:42:51","modified_gmt":"2017-10-15T09:42:51","slug":"fur-ein-neues-jahrtausend-der-laizitat-und-der-emanzipation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.libres-penseurs.net\/en\/fur-ein-neues-jahrtausend-der-laizitat-und-der-emanzipation\/","title":{"rendered":"F\u00fcr ein neues Jahrtausend  der Laizit\u00e4t und der Emanzipation"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/www.libres-penseurs.net\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/478\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p><p><strong>Erkl\u00e4rung des Weltkongresses 1998 der Freidenker in Luxemburg<\/strong><\/p>\n<p>Von ihrem Luxemburger Kongre\u00df 1998 erkl\u00e4rt die Weltunion der Freidenker:<\/p>\n<p>An der Schwelle zum neuen Jahrtausend unserer Zeitrechnung stehen die Menschen weltweit vor neuen Herausforderungen. Diese Herausforderungen haben sich in vielen Bereichen zu \u00dcberlebensfragen zugespitzt, es geht um nicht weniger als das \u00dcberleben der Menschheit als Gattung auf diesem Planeten. Die Menschheit lebt in einer Zeitenwende mit weitreichenden Folgen f\u00fcr das gesellschaftliche und individuelle Leben. Vielfach ist das Bewu\u00dftsein f\u00fcr diese Problemlage nicht oder nur ungen\u00fcgend vorbereitet. In der Tradition der Aufkl\u00e4rung stellen sich die Freidenker den qualitativen Ver\u00e4nderungen der Wirklichkeit und ihren geistigen, weltanschaulichen und ethischen Konsequenzen.<!--more--><\/p>\n<p>An der Schwelle zum neuen Jahrtausend ist die Kriegsgefahr nicht gesunken, die Zahl bewaffneter Konflikte nimmt zu, die Gefahr der Selbstausl\u00f6schung der Menschheit durch Atom- und andere Massenvernichtungswaffen bleibt akut. Die f\u00fchrenden Staaten der selbstproklamierten \u201cNeuen Weltordnung\u201d nehmen sich das Recht, ihren Zugang zu strategischen Rohstoffen und ihre Verf\u00fcgungsgewalt dar\u00fcber milit\u00e4risch zu sichern, und daf\u00fcr weltweit milit\u00e4risch zu intervenieren. F\u00fchrende Vertreter der etablierten Religionen treten allgemein f\u00fcr den Frieden ein, konkret jedoch segnen sie im Gegensatz zu den Friedens\u00fcberzeugungen ihrer Anh\u00e4nger die Waffen, sch\u00fcren Intoleranz, verst\u00e4rken die Aggressionen und heiligen die Kriegsziele.<\/p>\n<p>An der Schwelle zum neuen Jahrtausend nehmen auch in den sogenannten entwickelten L\u00e4ndern Arbeitslosigkeit und Armut, Obdachlosigkeit und Ausgrenzung zu. Erreichte soziale Standards werden abgebaut, Fremde als S\u00fcndenb\u00f6cke feilgeboten. In den unterentwickelt gehaltenen L\u00e4ndern sterben t\u00e4glich Tausende an Hunger und einfachen Krankheiten. Die Wirtschaft ist nicht Mittel immer besserer Bed\u00fcrfnisbefriedigung aller, sondern Quelle steigender Profite weniger Sondereigent\u00fcmer.<\/p>\n<p>An der Schwelle zum neuen Jahrtausend h\u00e4ufen sich die Naturkatastrophen. Immer mehr Menschen in immer mehr L\u00e4ndern werden Opfer der Naturgewalten \u2013 entfesselt durch unsachgem\u00e4\u00dfen, profitorientierten Umgang mit der Umwelt und Raubbau an den nat\u00fcrlichen Ressourcen.<br \/>\nSolche Erfahrungen von Krisen, Bedrohungen und Ohnmacht sind ein g\u00fcnstiger N\u00e4hrboden f\u00fcr Religion, Aberglauben und verschiedenste Formen des Irrationalismus. Die Religionen gr\u00fcnden in der Entfremdung des Menschen im praktischen Leben und verfestigen sie zugleich geistig. Sie entziehen damit dem aktiven Handeln der Menschen gegen die vielf\u00e4ltigen realen Gefahren den Boden.<\/p>\n<p>F\u00fchrende Vertreter der Religionen proklamieren ein \u201cEnde der Ideologien\u201d, und sehen damit die Stunde ihrer religi\u00f6sen Ideologie f\u00fcr gekommen. Sie setzen auf neue Missionierung und Anti-S\u00e4kularisierung, und wollen daf\u00fcr die staatlichen Machtmittel in ihren Dienst stellen. Dagegen verteidigen die Freidenker die Laizit\u00e4t als Fundament der Menschenrechte und der Freiheit, der Demokratie und des Friedens. Mit einer \u201cR\u00fcckkehr zur Religion\u201d ist keines der dr\u00e4ngenden Menschheitsprobleme zu l\u00f6sen. Sie bietet lediglich illusion\u00e4ren Trost, eine Verkl\u00e4rung der bestehenden Verh\u00e4ltnisse und Heiligenscheine f\u00fcr die Verursacher der heutigen Probleme, sie bietet aber keine Grundlagen f\u00fcr das bewu\u00dfte, selbst\u00e4ndige und aktive Handeln zur Gewinnung der Zukunft.<\/p>\n<p>Die Freidenker wirken f\u00fcr die \u00dcberwindung der vielfachen Entfremdung des Menschen \u2013 seiner Entfremdung von den Ergebnissen seines Schaffens, seiner Entfremdung von der Natur, seiner Entfremdung von seinen Mitmenschen, der Gesellschaft, und der Entfremdung von sich selbst. Diese Entfremdung ist nicht eingebildet, sondern hat ihre Ursache im tats\u00e4chlichen Sein, in den materiellen Grundlagen der menschlichen Existenz. Ihre Erkenntnis bedarf geistiger Anstrengung, des freien Denkens, aber ihre \u00dcberwindung mu\u00df auf die gesellschaftliche Realit\u00e4t zielen. Die Weltunion der Freidenker wendet sich gegen alle Verh\u00e4ltnisse, die des religi\u00f6sen Trostes und Heiligenscheins bed\u00fcrfen, gegen alle Verh\u00e4ltnisse, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein ver\u00e4chtliches Wesen ist.<\/p>\n<p>Die Weltunion der Freidenker lehnt Dogmen, Vorurteile, Bevormundung ebenso ab wie absolute Wahrheiten und totale Herrschaft. Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung sind mit menschenw\u00fcrdigen und selbstbestimmten Verh\u00e4ltnissen unvereinbar. Menschenw\u00fcrde erfordert die universelle Geltung und die Realisierung der sozialen und individuellen Menschenrechte f\u00fcr alle Menschen.<\/p>\n<p>Die Aufgabe der Freidenkerbewegung besteht nicht nur darin, die kirchlich spendierten Heiligenscheine f\u00fcr inhumane Verh\u00e4ltnisse zu zerreissen, unter geistiger Befreiung versteht sie die Befreiung des Geistes zur befreienden Tat.<\/p>\n<p>Die Weltunion der Freidenker versteht freies Denken in Tradition und Fortsetzung der Aufkl\u00e4rung als \u00dcberwindung selbstverschuldeter Unm\u00fcndigkeit. Sie tritt f\u00fcr die freie Entwicklung der Anlagen und F\u00e4higkeiten aller Menschen ein, damit der m\u00fcndige Mensch seine Geschicke in die eigenen H\u00e4nde nimmt und bewu\u00dfter Gestalter der Geschichte werden kann. Die Potenzen des Individuums m\u00fcssen bewu\u00dft als Hauptressource des \u00dcberlebens und Voranschreitens der Menschheit genutzt werden.<\/p>\n<p>Die Weltunion der Freidenker verteidigt die Vernunft im weltanschaulichen Denken und in den gesellschaftlichen Beziehungen. Sie sieht in der Entwicklung neuer religi\u00f6ser Str\u00f6mungen und Psychogruppen, in Esoterik und Okkultismus keine \u201cwillkommenen Partner\u201d gegen die Macht der etablierten Kirchen. Freidenker treten dem Irrationalismus in alter wie in \u201cneuer\u201d Form entgegen, in seiner \u201cheiligen\u201d wie in seiner weltlichen Gestalt. Sie k\u00e4mpfen gegen Faschismus und Rassismus als den barbarischsten Formen inhumaner Ideologie und Praxis.<\/p>\n<p>Die Weltunion der Freidenker tritt f\u00fcr internationale Solidarit\u00e4t und V\u00f6lkerfreundschaft ein. Sie wendet sich gegen neokolonialistische Auspl\u00fcnderung der unterentwickelt gehaltenen L\u00e4nder, gegen ein Herr-Knecht-Verh\u00e4ltnis in den internationalen Beziehungen, sie tritt f\u00fcr materielle Solidarit\u00e4t und die freie Entscheidung aller L\u00e4nder \u00fcber ihre Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ein. Die L\u00e4nder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas d\u00fcrfen nicht l\u00e4nger als ausgegrenzte Objekte der \u201cNeuen\u201d Weltwirtschaftsordnung behandelt werden, die Potenzen der Menschen dieser L\u00e4nder sind zunehmend unverzichtbar zur L\u00f6sung der globalen Probleme.<\/p>\n<p>Die Weltunion der Freidenker wendet sich gegen jede Gewaltanwendung und -androhung zwischen den Staaten, Milit\u00e4reins\u00e4tze in fremden L\u00e4ndern sowie prinzipiell gegen Kriege als Mittel der Politik. Sie wendet sich besonders gegen Kriege f\u00fcr imperialistische Interessen, zur Sicherung oder Erweiterung von Einflu\u00dfzonen, des Zugangs zu strategisch bedeutsamen Rohstoffen, zur Bekr\u00e4ftigung von \u201cF\u00fchrungsmacht\u201d-Anspr\u00fcchen. Sie wendet sich gegen die mi\u00dfbr\u00e4uchliche rassistische Inanspruchnahme des Selbstbestimmungsrechts zwecks v\u00f6lkischer Aufsprengung von Nationalstaaten. Sie wendet sich gegen nationalistische \u00dcberheblichkeit, gegen die Instrumentalisierung von ethnischen oder religi\u00f6sen Minderheiten zur Schaffung von Konflikten und staatlicher Desintegration. Sie wendet sich gegen religi\u00f6sen Fundamentalismus und Terrorismus sowie politischen Klerikalismus, sie enttarnt die von imperialistischen Machthabern und Kirchen aufgebauten ideologischen Gegens\u00e4tze, mit denen die V\u00f6lker gegeneinander ausgespielt werden sollen. Die nach der Befreiung vom Faschismus geschaffene Friedensordnung in Europa mu\u00df gegen revanchistische und revisionistische Anspr\u00fcche im Zusammenhang mit der politischen Einigung Europas verteidigt werden. In diesem Sinne unterst\u00fctzt die Weltunion der Freidenker die Solidarit\u00e4ts- und Friedensbewegung weltweit.<\/p>\n<p>Die Weltunion der Freidenker bekr\u00e4ftigt ihr Eintreten<br \/>\n* f\u00fcr die Verteidigung und Verwirklichung der Laizit\u00e4t, f\u00fcr die reale Trennung des Staates von den Kirchen, gegen die Machtanspr\u00fcche des Klerikalismus und religi\u00f6sen Fundamentalismus;<\/p>\n<p>* f\u00fcr eine politische Verfassung der vollentfalteten Demokratie, der Teilhabe aller B\u00fcrger an allen gesellschaftlichen Bereichen, der Verwirklichung der individuellen Freiheit und Menschenrechte sowie der v\u00f6lligen Emanzipation des Menschen;<\/p>\n<p>* f\u00fcr eine wirtschaftliche Verfassung, die die sozialen Menschenrechte realisiert, allen ihren Anteil am gemeinsam geschaffenen Reichtum sichert und eine gemeinsame, nachhaltige und planm\u00e4\u00dfige Bewirtschaftung aller Ressourcen gew\u00e4hrleistet;<\/p>\n<p>* f\u00fcr eine staatliche Verfassung der Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und realen Chancengleichheit aller B\u00fcrger, unabh\u00e4ngig ihrer nationalen oder ethnischen Herkunft, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung, ihres Alters, ihrer Gesundheit, ihrer k\u00f6rperlichen oder geistigen Verfassung, ihrer religi\u00f6sen, weltanschaulichen und politischen \u00dcberzeugung;<\/p>\n<p>* f\u00fcr die Entfaltung der Wissenschaft gem\u00e4\u00df ihrer eigenen Natur im Interesse der Erhaltung und humanen Entwicklung der Lebensqualit\u00e4t aller Menschen unseres Planeten, f\u00fcr ihre Losl\u00f6sung von den Sonderinteressen der Kapitalverwertung;<\/p>\n<p>* f\u00fcr die Weiterentwicklung und Geltendmachung unseres freidenkerischen Menschenbildes und der humanistischen Ethik gem\u00e4\u00df den objektiven Ver\u00e4nderungen und Erfordernissen in den gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen und im Verh\u00e4ltnis zur Natur, f\u00fcr gemeinsames Nachdenken und den Dialog mit allen, die gegen die verschiedenen Spielarten des Irrationalismus f\u00fcr die Verteidigung der Vernunft im weltanschaulichen Denken und in der Politik eintreten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sorry, this entry is only available in Deutsch.Erkl\u00e4rung des Weltkongresses 1998 der Freidenker in Luxemburg Von ihrem Luxemburger Kongre\u00df 1998 erkl\u00e4rt die Weltunion der Freidenker: An der Schwelle zum neuen Jahrtausend unserer Zeitrechnung stehen die Menschen weltweit vor neuen Herausforderungen. 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